Autismusspezifische Therapie
Die autismusspezifische Therapie ist ein Unterstützungsangebot für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Sie ist individuell auf die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Lebenssituationen der jeweiligen Person abgestimmt. Ziel ist es, Menschen mit Autismus dabei zu unterstützen, ihren Alltag besser zu bewältigen, ihre Selbstständigkeit zu stärken und ihre persönlichen Stärken zu entfalten.
Im Mittelpunkt der Therapie steht der Mensch und die praktische Unterstützung im Alltag. Dabei können zum Beispiel Kommunikation, soziale Fähigkeiten, der Umgang mit Stress oder Reizüberflutung sowie die Strukturierung von täglichen Abläufen gemeinsam erarbeitet und geübt werden.
Unsere therapeutische Haltung ist geprägt von Wertschätzung, Akzeptanz und einem ressourcenorientierten Ansatz. Wir sehen autismusspezifische Verhaltensweisen als Anpassungsversuche der Menschen an eine oft für sie schwer verständliche Umwelt.
Eine stabile und vertrauensvolle Beziehung bildet die Grundlage unserer Förderung. Dabei legen wir Wert auf das gemeinsame Erleben und Aufbauen von Aufmerksamkeit (joint attention) sowie auf die Freude an wechselseitigen Interaktionen.
Besonders wichtig ist uns, die individuellen Interessen miteinzubeziehen, um Motivation, Beteiligung und Lernerfolge nachhaltig zu fördern.
Je nach Bedarf kommen unterschiedliche therapeutische Ansätze aus der Sozial- und Heilpädagogik und Psychologie zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem verhaltenstherapeutische Strategien für Alltagssituationen, Sozialkompetenztraining zum Üben sozialer Interaktionen sowie Psychoedukation, um ein besseres Verständnis für Autismus und die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln und den Selbstwert der Person zu stärken.
Ein wichtiger Grundsatz der autismusspezifischen Therapie ist: Autismus soll nicht „wegtherapiert“ werden. Stattdessen geht es darum, Menschen mit Autismus in ihrer individuellen Entwicklung zu begleiten, ihre Ressourcen zu stärken und Wege zu finden, den Alltag selbstbestimmt und möglichst stressarm zu gestalten. Gleichzeitig klären wir Bezugspersonen im sozialen Umfeld so auf, dass sie ein Verständnis für die Verhaltensweisen und Wahrnehmungen entwickeln und unterstützen können.
Ziele der Therapie
Zusammenarbeit mit dem Klienten
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die Förderung sozialer Interaktion, Kommunikation und Selbstwahrnehmung. Viele Menschen im Autismus-Spektrum erleben soziale Situationen oder Veränderungen im Alltag als herausfordernd. Wir unterstützen sie dabei, eigene Kommunikationswege zu finden und soziale Kontakte sicherer und angenehmer zu gestalten – sei es durch Sprache, nonverbale Ausdrucksformen oder unterstützte Kommunikationsmethoden. Dabei legen wir großen Wert auf ein respektvolles Miteinander, das die Individualität jedes Einzelnen achtet. Unser Ziel ist es, vorhandene Stärken zu erkennen und auszubauen, um die Selbstständigkeit und Lebensqualität unserer Klientinnen und Klienten nachhaltig zu fördern.
Wir helfen außerdem, belastende, repetitive oder stereotype Verhaltensweisen in sozial angemessenes Verhalten umzulenken und fördern Flexibilität in Bezug auf Interessen und Aktivitäten. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung eines positiven und realistischen Selbstbildes. Zudem stärken wir kognitive Grundfunktionen, die als Basis für Lernprozesse und das Verständnis sozialer Zusammenhänge dienen. Auch die Förderung alltagspraktischer Fähigkeiten, der Wahrnehmungsverarbeitung sowie fein- und grobmotorischer Kompetenzen sind zentrale Bestandteile unserer Therapie. Bei Bedarf unterstützen wir unsere Klientinnen und Klienten beim Erlernen neuer Handlungsstrategien, um aggressives oder selbstverletzendes Verhalten zu vermeiden.
Zusammenarbeit mit Familien
Wir informieren und beraten Familien umfassend über Autismus, verknüpfen Elternwissen mit therapeutischer Expertise und geben konkrete Hilfen zur Gestaltung von Alltag, Kommunikation und Lernumgebung. Zudem unterstützen wir bei Stressbewältigung, Krisenintervention und der Nutzung bestehender Unterstützungsmöglichkeiten.
Kooperation mit Institutionen
Auch Bezugspersonen in Einrichtungen beziehen wir ein. Wir vermitteln Wissen über Autismus, beraten zum Umgang mit individuellen Verhaltensweisen und helfen durch pädagogische Interventionen und Raumanalysen, förderliche Bedingungen zu schaffen.
Unser Ziel ist es, die Lebensqualität von Menschen im Autismus-Spektrum und ihren Familien nachhaltig zu verbessern.
Ablauf der Therapie
Wenn wir einen Therapieplatz anbieten, vereinbaren wir zunächst ein Erstgespräch mit dem Menschen mit Autismus oder seinen Eltern/ Sorgeberechtigten. Dabei klären wir alle organisatorischen Rahmenbedingungen der Autismustherapie. Außerdem führen wir eine Anamnese durch, in der die autismusspezifischen Merkmale des Klienten sowie die familiäre und institutionelle Situation erfasst werden. Gemeinsam besprechen wir auch die vorrangigen Therapieziele und möglichen Methoden.
Anschließend folgt eine Phase der Förderdiagnostik und des Beziehungsaufbaus. Darauf aufbauend erstellen wir in Absprache mit den Bezugspersonen und/oder dem Autisten einen individuellen Förderplan. Der Therapieverlauf wird durch regelmäßige Entwicklungsberichte dokumentiert, sodass sowohl die Menschen mit Autismus bzw. deren gesetzliche Vertreter als auch die Kostenträger stets transparent informiert sind. Aufgrund der komplexen Symptomatik ist die Therapie oft über mehrere Jahre hinweg sinnvoll.
Therapieangebote
Einzeltherapie
Gemeinsam mit dem Autisten werden individuelle Therapieziele erarbeitet, sowie – je nach Bedarf – Bezugspersonen (Eltern und Angehörige, Erzieher, Lehrpersonen, Schulassistenzen u.a.) in den therapeutischen Prozess miteinbezogen und beraten. Im geschützten Rahmen der Einzeltherapie wird an diesen Zielen gearbeitet, damit neue Strategien und Fähigkeiten schrittweise in den Alltag übertragen werden können.
Gruppentherapie
In der Gruppentherapie können erlernte Strategien und soziale Verhaltensweisen in einem geschützten Rahmen mit Gleichaltrigen praktisch erprobt und weiterentwickelt werden. Die Teilnehmenden haben außerdem die Möglichkeit, eigene Themen, Interessen und Fragestellungen einzubringen. Die Gruppen finden je nach therapeutischem Schwerpunkt regelmäßig (in der Regel ein- bis viermal im Monat) oder zu bestimmten Themen, beispielsweise während der Ferienzeit, statt.
Die Zusammenstellung der Gruppen erfolgt individuell durch die Therapeutinnen und Therapeuten unter Berücksichtigung von Alter, Fähigkeiten und Entwicklungszielen der Teilnehmenden.
Therapeutische Nachsorge
Die Nachsorge bietet die Möglichkeit, bei neu auftretenden Fragen, Veränderungen im Alltag oder in Krisensituationen erneut Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dadurch kann bei Bedarf schnell und flexibel therapeutische Hilfe erfolgen.

