Wer sind wir?

Wer sind wir?

Autismus-Wohnanlage seit 06. Juni 2017 in Betrieb

Die Wohnanlage des Elternvereins "autismus Siegen e.V." aus Sicht einer externen Autismus-Beraterin:

 

"autismus Siegen e.V. wurde 1995 gegründet und hat seitdem 4 Therapiezentren aufgebaut, die derzeit 150 Autisten eine Beratungsmöglichkeit bieten. Der Verein wird von Eltern hauptsächlich frühkindlicher Autisten geführt und mit einer beeindruckenden Ausdauer schaffen die Eltern Lebenswelten für ihre (mitunter erwachsenen Kinder) und andere.

Ich freue mich sehr über das Vertrauen, was mir entgegengebracht wird, indem ich am Aufbau der Mitte 2017 in Betrieb genommenen Wohnanlage für Autisten mitwirken darf.

Die neu entstandene Wohnanlage liegt am Rand einer Wohnsiedlung direkt am Wald, das Grundstück umfasst 10 000 qm und wird nach und nach erschlossen. Insgesamt wurden 4 zusammenhängende Häuser gebaut, die nach einem wundervollen Konzept ausgerichtet sind, bei dem es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Es gibt insgesamt 3 Wohngruppen, die in drei farblich unterschiedlichen Häusern leben. Auf dem Bild zu sehen ist das gelbe Haus, was durch eine gelbe Fassade und gelbe Böden im Innenbereich zu erkennen ist. Die drei Wohngruppen sind baulich einerseits separat, doch gleichzeitig verbunden durch den gemeinschaftlichen Innenhof/ Sinnesgarten, den ich später gesondert vorstelle. Eine weitere Verbindung der drei Wohngruppen besteht darin, dass Hauswirtschaftsräume (Waschküche, Vorratskeller, kleine Werkstatt, Verwaltungs-, Besprechungsräume und Bewegungs- und Musikräume) in dem Vorderhaus gebündelt sind.

Das detailreiche Wohnkonzept sieht vor allem Transparenz und Vorhersehbarkeit bei gleichzeitigen Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohner vor. Das wird gewährleistet, indem Räume, die gemeinsam genutzt werden (Küchen, Wohnzimmer, Flure, Gärten) durch die Fenster Einsicht gewähren, so dass die autistischen Bewohner (max. 20 Plätze) immerzu wissen, wer sich in dem Raum befindet und was dort gerade gemacht wird. So kann jeder für sich die Dosis an Interaktion regulieren.

 

Selbstverständlich findet in der gesamten Wohnanlage TEACCH Anwendung. Hier zu sehen in der Küche des gelben Hauses. Dadurch kann das Höchstmaß an Selbständigkeit gefördert werden und es bleibt ordentlich.

Der gemeinsam nutzbare Innenhof zwischen den 4 Häusern ist ein besonderer Sinnesgarten.

Dieses Bild entstand als ich auf einem der großzügigen Sitzgelegenheiten Platz genommen habe und Frau Oerter mir erzählte, was sich wo in dem Sinnesgarten befindet. Der gelbe Kasten zum Beispiel ist eine Erfahrungskiste. Dort können die Bewohner oder die Betreuungspersonen etwas hineinlegen, dadurch Impulse setzen oder einfach Neugierde wecken. Alle Pflanzen in dem Sinnesgarten/ Innenhof aber auch auf dem gesamten Gelände sind essbar, oder jedenfalls nicht schädlich. Daneben wurden explizit duftende und schmeckende Kräuter und Pflanzen gesät, um die Sinne anzuregen und Neugierde zu wecken. Die Schaukel wird regelmäßig genutzt aber insbesondere auch der großzügige "Sandkasten". Der Brunnen enthält Trinkwasser.

 Wer genau hinsieht, erkennt, dass die Wiese uneben ist - auch das ist so gewollt, um dass die Bewohner in dem Sinnesgarten auch diese motorischen Gleichgewichtssinne ansprechen können.

Von allen Häusern aus, kann Einsicht in den Garten genommen werden. Das gesamte Gelände ist mit einem Zaun umfasst, so dass sich jeder Bewohner seinen Bedürfnissen entsprechend bewegen kann, ohne in eine Notsituation zu geraten.

Bei meinem Besuch hatte ich durchweg Gänsehaut, so viel Liebe steckt in dem Projekt. Die bisher eingezogenen Bewohner fühlen sich nach anfänglicher Eingewöhnungszeit sichtlich wohl und drücken ihre Zufriedenheit aus. Die Eltern mussten lernen "ihre Kinder" loszulassen und es gab durchaus enttäuschte Gesichter der Eltern, deren Kinder lieber in der Wohnanlage bleiben wollten anstatt zu den Eltern zurück.

Mein Aufenthalt dort war sehr herzlich und ich habe gespürt, dass das Konzept voll zum Tragen kommt. Man fühlt sich überhaupt nicht eingeengt - insgesamt ist alles sehr offen gehalten, das viele Glas, die vielen Fenster schaffen Aussicht, Weitsicht und ein sehr angenehmes Gefühl

 

Ich wünschen den Bewohnern

  • ein Zuhause, indem auf ihre individuellen Bedürfnisse Rücksicht genommen wird.
  • Betreuer und Mitwirkende, die einerseits ihre Bedürfnisse erkennen und respektieren
  • und andererseits große Kreativität mitbringen ein Zuhause zu schaffen, in dem die Bewohner sich wohlfühlen können.

Den neuen Mitarbeitern dort wünsche ich viel Erfolg bei diesem wunderbaren Projekt und vor allem viel Spaß dabei zusehen zu können, wie sich kleine Wunder in der Entwicklung der Bewohner ereignen. Eine leitende Mitarbeiterin sagte: "Wer seine Arbeit liebt, braucht keinen Tag mehr zu arbeiten".

Meine Hochachtung und Anerkennung geht an die federführenden Personen des Vereins, die sich gegen alle Widrigkeiten so aufgestellt haben, dass sie die bestmögliche Perspektive für ihre und andere autistischen Brüder, Kinder, Schwestern ermöglichen. Die kalkulierte Bausumme von 2,5 Mill. Euro konnte durch das Darlehen des Landes NRW und der Volksbank Siegerland eG, durch Zuwendungen der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und der Aktion Mensch e.V. und durch über 500 000 Euro Spenden aus der Region sichergestellt werden.

 

Teilhaben am Projekt:

Wie wir alle wissen, finanziert sich ein Bewohnerplatz durch die zuständige Sozialbehörde. Wie wir auch alle wissen, sind diese Plätze auf ein Mindestmaß finanziert. Daher ist alles, was das Projekt so einzigartig und besonders macht, durch Spenden finanziert. 10 Jahre arbeiteten die Eltern daran den Bedürfnissen der Autisten gerecht werden zu können.

 

Was aktell noch gebraucht wird:

  • Müsikinstrumente, Sportgeräte, Therapieschaukeln
  • Bäume, Sträucher, Pflanzen, Landschaftspflege
  • Sitzgelegenheiten, Sonnenschutz, Überdachungen
  • Grillhütte, Wandelwege, Nutzgärten, Kleintierhaltung
  • Lampen für Sinnesgarten und Freigelände
  • Geldspenden

Konto der Wohnanlage: IBAN DE37 4605 0001 0048 0104 58. Was aber ebenso gebraucht wird sind Menschen, die das Projekt mit ihrer Arbeitskraft unterstützen wollen.

Inzwischen sind 19 Bewohner eingezogen und bereits 40 motivierte Fachkräfte in 3 Schichten für sie tätig. Die Pionierarbeit der autismusfachlichen und betriebswirtschaftlichen Hausleitung liegt mit Jörg Bachmann und Bita da Silva Santos in besten Händen.

Im Frühsommer, wenn die Bewohner in ihrem neuen Zuhause "angekommen" sind, soll eine würdige Eröffnungsfeier mit einem Tag der offenen Tür stattfinden. Ich kann nur noch staunen über diese Meisterleistug voller Herzblut. Hut ab!"

 

Ina Eichholz, geb. Blodig, Dipl.-Pädagogin, Autismusberatung

Forststraße 18, 35716 Dietzhölztal, Mobil: 0151-19194787

 


 

 

 

 


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